Neue Regeln 2017

    • Neue Regeln 2017

      Ich muss sagen, dass ich mit der neuen Turbo-Generation der F1 bis heute nicht warm geworden bin. Zu unspektakulär, optisch zu langsam, der Sound, viel dirty air, zu stark abbauende Reifen, Zwang zum Spritsparen... Die neuen Regeln 2017 sollten die Probleme zumindest teilweise lösen, aber ich finde, dass vieles davon gewollt und nicht gekonnt ist. Die Regeln werden die Probleme fast nicht lösen, dafür aber neue generieren. Hier sage ich euch, warum:

      - Speed: Dank weicher Reifen und wenig Luftwiderstand, dank ansteigender PS-Zahlen und aerodynamischer Weiterentwicklung waren wir 2016 in der Qualifikation schon fast wieder auf dem Niveau, was als Messlatte galt, nämlich Jahre wie 2004, 2005, 2010, 2011 und 2013. Auf Power-Strecken wurden schon absolute Rundenrekorde gefahren. Daher würde ich sagen, dass wir in der Qualifikation 2016 schnell genug waren! Der Rennspeed war lediglich nach wie vor zu langsam, ich finde, er sollte am Rennende mit leerem Tank ca 2-3 Sekunden über der Pole Zeit liegen.
      In Meblourne war Hamilton mit ultrasoft dieses Jahr "nur" 1,7 Sekunden schneller wie letztes Jahr auf supersoft. Wenn man die unterschiedlichen Reifenmischungen bedenkt, kommt man am Ende vllt auf einen Unterschied von 1 Sekunde. Versprochen wurde uns 3-5 Sekunden. Im Rennen fuhr man 2016 von 1:29 bis 1:33, 2017 von 1:26 bis 1:32. Also es wurde schon schneller. Zumindest in den Kurven, was an der Aerodynamik liegt, aber auf der Geraden ist der Luftwiderstand deutlich höher geworden. Deswegen ist der Zeitgewinn unterm Strich wohl doch nicht so groß ausgefallen. Dazu kommt das weiter angestiegene Gewicht.

      Frage ist aber: Muss die F1 unbedingt schneller werden? Früher (90er und 2000er) waren die Autos auch langsamer wie die heutigen und trotzdem hat uns das Zuschauen mehr Spaß gemacht. Das liegt sicherlich nicht nur am Sound, sondern auch an der Art und Weise, wie die Autos um die Kurve gelenkt wurden. Früher war es puristischer, spektakulärer, aggressiver. 2017 ist man zwar in der Kurve schneller, aber die F1 wirkt immer noch irgendwie behäbig, clean und unspektakulär. Woran liegt das? Damals waren die Autos klar technisch nicht so hochgestochen wie heute, aber der Hauptgrund wird das Gewicht sein.
      Die F1 müsste wieder deutlich leichter werden, ein Maximalgewicht von 600kg wäre ok. Das wäre auch mehr im Sinne des Umweltschutzes. Die Autos sind einfach zu schwer und deswegen haben die Rennen oft ein Flair von Langstrecken-WM anstatt von Sprintrennen wie man es bei F1 gewohnt ist.

      - Dirty air: Ist dieses Jahr schlimmer geworden. Der Grund: Die Autos sind mittlerweile aerodynamisch wieder derartig pervers wie damals noch 2007 und 2008. Hochkomplexe Flügel und Leitbleche, filigran wie noch was, sind der Grund, dass die dirty air immer schlimmer wird.
      Richtig war der Schritt mit den Reifen. Sie bieten mehr Auflagefläche und sind gleichzeitig deutlich robuster, sodass endlich wieder attackiert werden kann, ohne, dass man gleich Angst haben muss, dass der Reifen kaputt geht. Die Reifen bieten in etwa gleich viel Grip wie die von 2016, halten aber länger. Alles richtig gemacht hier!
      Noch besser wäre es allerdings gewesen, wenn man die Aerodynamik vereinfacht hätte. Diese ganzen hochkomplexen Flügel usw müssen weg und auf ein einfaches Maß reduziert werden! Der mechanische Grip muss nach oben, der aerodynamische nach unten! Man kann versuchen, über breitere Reifen und großen Diffusor viel Abtrieb zu generieren, aber die Aerodynamik darf nur einen geringen Einfluss haben! Dann wird das Racing deutlich besser und der Speed wäre auf einem akzeptablen Niveau.

      -Überholen: Fast nicht mehr möglich. Die Autos sind zu breit und die dirty air ist zu stark. Da bringen auch robustere Reifen nichts mehr. Melbourne war der Beweis, es wurde kaum noch überholt, trotz stärkerem DRS-Effekt. Das scheint aber wohl unterzugehen, weil sich alle über Vettels Triumph freuen. ^^

      -wie gehts weiter? Wenn die F1 jetzt schon so schnell ist, wird man sie in Sachen Sicherheit bald wieder einbremsen müssen. V.a. in der Qualifikation sind wir jetzt fast schon zu schnell. Wenn man frei weiterentwickeln kann, sind wir in 1 bis 2 Jahren an einem kritischen Punkt angelangt. Ich fände es gut, wenn der Speed in der Qualifikation auf 2016er Niveau bleibt und der Rennspeed wieder angehoben wird, sodass sie zwischen 2 und 5 Sekunden langsamer fahren wie die Polezeit. Heute sind wir bei 10s...

      Meine Lösungsvorschläge? Reifen und Diffusor so lassen, Frontflügel vereinfachen und etwas schmaler machen, Heckflügel etwas breiter und vereinfachen (dann wären die Proportionen stimmiger), Leitbleche, Finnen, Winglets usw stark vereinfachen bzw ganz verbieten. Gewicht auf 600kg senken (dann braucht man aber freilich ein neues Motorenkonzept, entweder einen Sauger oder nen kleinen Turbo ohne ERS, darüber kann man ja dann diskutieren).

      Dieser Beitrag wurde bereits 2 mal editiert, zuletzt von McLaren422 ()

    • McLaren422 schrieb:

      Wenn die F1 jetzt schon so schnell ist, wird man sie in Sachen Sicherheit bald wieder einbremsen müssen. V.a. in der Qualifikation sind wir jetzt fast schon zu schnell.
      Ganz ehrlich, ich finds richtig, dass die Formel 1 immer schneller und ein Stück weit auch unsicherer wird, denn das lässt vielleicht manch einen Paydriver am Formel 1 Engagement zweifeln und wir bekommen wieder mehr echte Kerle, die auch mal ihr Leben riskieren, um am Ende zu Ruhm und Ehre zu kommen. Ist jetzt vielleicht etwas dick aufgetragen, aber über wen redet man am Ende mehr, über die Fangios, Clarks, Laudas, die noch Wochenende für Wochenende ihr Leben riskiert haben oder über die Fahrer von heute, die im Rennauto fast sicherer wie im normalen Straßenverkehr dahinfahren?

      Motorsport ist gefährlich und da kann es nicht sein, dass die Formel 1 aus Sicherheitsgründen die Autos langsamer macht.
    • ganz generell gesprochen hast du natürlich recht. Aber man muss bedenken, dass sich Menschen hinterm Steuer befinden und keine Wesen mit übernatürlichen Kräften. Früher oder später kommt der Punkt, wo es einfach zu schnell wird. Das geht dann körperlich und in Sachen Reaktionsfähigkeit nicht mehr. Klar, man kann sicherlich die Qualität der Fahrer verbessern, wenn man die F1 schneller macht, aber es gibt immer überall Grenzen. Ohne technische Grenzen wären wir heute in Melbourne bei einer Pole-Zeit von 1:10 gewesen... Man kann heute locker solche Autos bauen, die Kosten gehen halt dann in die Milliarden...

      Früher musste man die Autos nicht einbremsen, weil man einfach nicht die technischen und finanziellen Möglichkeiten hatte, sie so schnell zu bauen, dass es zu schnell wurde. Deswegen war die F1 ja auch so toll, weil man wusste, dass die aktuellen Autos das maximal mögliche dargestellt haben. Heute muss man ständig einbremsen, weils sonst zu krass wird. Einfach alles erlauben wäre fatal, weil wir dann auf ein Level kommen, das der Mensch nicht mehr beherrschen kann...
    • Ich möchte nicht alles erlauben, das ist gar nicht meine Intention. Meine Intention ist vielmehr, dass man die horrenden Gehälter mit weniger Sicherheit legitimiert und diesen Formel 1 Tourismus endlich austrocknet. In die Königsklasse gehören Voll-Profis und keine Paydriver, die sich bei der kleinsten Gefahr von Unsicherheit in die Hosen machen. Rennsport ist nur was für harte Kerle und harte Frauen, da sollte kein Platz sein für Weicheier, die es nunmal in die Serie zieht, wenn man keine Angst mehr vor schlimmen Verletzungen oder Schlimmeres haben muss.

      Jahrzehntelang lebte die Serie auch von der Todesgefahr, die immer mitfuhr und wodurch viele erst zu Helden wurden.
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